Inklusiv an Herd und Töpfen

Inklusiv an Herd und Töpfen

Eine Fischpfanne in Gemüse-Sahnesoße, Rührei mit Zwiebel und Bacon sowie eine Creme mit Erdbeeren - das wollten Birgit, Sarah und Erik am 16. Januar in der Lehrküche des Oberstufenzentrums in Wittenberge zubereiten. Eifrig waren sie dabei, die Creme zu rühren, das Gemüse zu schnippeln und den Fisch zu garen. Zusammen mit ihnen waren zehn weitere junge Leute konzentriert bei der Sache. Es sind die Teilnehmer des Ausbildungsprojektes „Inklusive Küche 4.0“, die an diesem Tag im Rahmen eines Kochworkshops ihre erworbenen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen hatten.

„Inklusive Küche 4.0“ ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Ausbildungsprojekt, das jungen Menschen mit und ohne Behinderungen eine gemeinsame Lehre in der Küche ermöglichen soll. Die 13 Teilnehmer sind Auszubildende, die eine dreijährige Lehre zum Koch oder zum Fachpraktiker Küche absolvieren sowie einige unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aber nicht aus- sondern weitergebildet werden. Sven Küchler vom BBZ Prignitz betreut das Projekt, in welches das BBZ, das Oberstufenzentrum und wir, die Lebenshilfe Prignitz, eingebunden sind und das von der Hochschule Magdeburg-Stendal wissenschaftlich begleitet wird. Ausgelegt ist es zunächst für drei Jahre. Start war im August 2018. Dieses Modell der Berufsausbildung stellt alle vor besondere Herausforderungen, denn die Azubis werden inklusiv beschult und dabei auch auf digitale Füße gestellt, erklärte der Projektleiter. Alle Teilnehmer bekamen zum Beispiel Tablets, auf denen sie u.a. in einem digitalen Lernspiel Unterricht zur Hygiene in der Küche erhielten. „So werden sie beim Lernen interaktiv in das Geschehen eingebunden. Verschiedene Schwierigkeitsgrade ermöglichen es, die Fähigkeiten der Teilnehmer individuell zu berücksichtigen. Denn die besondere Herausforderung in einer inklusiven Klasse ist es, den Unterricht so zu gestalten, dass er die einen nicht über-, die anderen aber auch nicht unterfordert.“ Das wiederum mache eine gute Mischung aus gemeinsamer, aber differenzierter Betreuung durch die Lehrkräfte erforderlich, so der Projektbetreuer.

Die Fischpfanne war derweil fertig. Es roch lecker. Auch die Creme mit Erdbeeren ließ dem Beobachter das Wasser im Mund zusammenlaufen. Die Zutaten dafür und für all ihre anderen Speisen hatten die Teilnehmer des Kochworkshops selbst ausgesucht und zusammengestellt. Sie hatten die Rezepte und einen genauen Ablaufplan erarbeitet. Die Aufgabe bestand darin, regionale Produkte zu verarbeiten. Zuvor hatten sich die Teilnehmer in einem theoretischen Teil mit regionalen Produkten und der Verarbeitung befasst. Das alles im inklusiven Team. „Das gemeinsame Lernen genießen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagte Susanne Bolz am Ende des Workshops, die für uns als Lebenshilfe Prignitz das Projekt betreut.

Marina Lenth